Einmal Corralejo und zurück
Zu Fuß rund um Fuerteventura

 

 

Einmal Corralejo und zurück - Buchcover

 

        

        

              

 

Block-Künzler, Guido:  Einmal Corralejo und zurück – zu Fuß rund um Fuerteventura
1. Auflage, BoD.

Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt

© Guido Block-Künzler. Alle Rechte vorbehalten

Umschlagphoto, Bilder und Gestaltung: Guido Block-Künzler
ISBN 978 384 236 2420
 

Erscheinungstermin: 2018

 

 

Einmal Corralejo und zurück – Inhalt

 

Corralejo:                                 Surfer lieben diese Stallungen

Malpais de Bayuyo:                 Lavageröll von der Nachbarinsel

El Cotillo:                                  Zum Glück zu hässlich?

Westküste vor Los Molinos:   Wie eine Wand steht der Barranco vor mir

Siedler auf verlorenem Posten:Colonia Rural Garcia Escámez

Llanos de la Conception:          Die erzwungene Erimita

Antigua:                                      Die ehemalige Inselhauptstadt

Gran Tarajal:                               Ehemaliger Tomatenhafen

Tarajalejo:                                   Tamarisken fallen hier etwas kleiner aus

La Lajita:                                     Ein Fischerdorf mit Ambitionen

Jandia:                                        Sandwüste und endlose Strände

Costa Calma:                              Die unruhige Küste

Moro Jable:                                 Strandburgen sind hier ‚Privado!’

La Pared:                                     Warten auf den Ansturm

Giniginamar:                               Kein Wasserloch in Sicht

Pozo Negro:                                Wo das Malpais Grande endet

Caleta de Fustes:                       Die wuchernde Retortenstadt

Puerto del Rosario:                   Die schamhaft Umbenannte

Puerto Lajas:                              Wo die Majoreros baden gehen

Parque Natural de Corralejo:Die Schokoladenseite

 

 

Einmal Corralejo und zurück – Leseprobe

Corralejo – Surfer lieben diese Stallungen

 

Corralejo: Stallungen. Das ist die wörtliche Übersetzung. Bingo! Besser kann man das Erscheinungsbild der nördlichsten Touristenhochburg nicht beschreiben. Ich stolpere gerade von der Fähre, bin noch vor knapp einer halben Stunde über die piekfeine Promenade von Playa Blanca geschlendert. Meine erste Begegnung mit ‚Fuerte’ - wie Insider die Insel nennen – treibt mich spontan zurück auf die Fähre. Das Ticket habe ich ohnehin bereits gekauft - was mir in vier Wochen den strengen Blick der Stewardess einbringen wird. Aber dazu später.

Beim Landeanflug hatte die Insel vielversprechender ausgesehen. Vulkankegel, Bergketten und vor allem das helle Band der Wanderdünen südöstlich von Corralejo versprachen grandiose Landschaften. Tatsächlich gibt es die auch in Corralejos Innenstadt. Im Hafenviertel. Im Wartesaal der Fährgesellschaften. An der Wand.

Der Rest der Innenstadt ist eine Katastrophe. Man hat die Leute offensichtlich bauen lassen,  wie es ihnen in den Kram passte. Bei knapper Kasse also vor allem praktisch. Motto: Hauptsache Dach überm Kopf. Farbe gehört nicht notwendig zu diesem Prinzip. Der einzige Unterschied zur vortouristischen Zeit: heute wohnen Menschen in den Stallungen, früher waren es Ziegen. Dies hier soll ein Touristenzentrum sein? Die Welt erlebt mich fassungslos - doch offensichtlich bin ich der  einzige Miesepeter hier. Die Stadt ist voller Leben. Am Strandpfad – der sich nicht ernsthaft bemüht, eine Promenade zu sein – ist kaum voranzukommen. In den Cafés und Kneipen sitzen Leute, die sich ganz offensichtlich ihres Lebens erfreuen. Auffällig viele Junge sind darunter – im Gegensatz zum schicken Altersheim auf der Nachbarinsel Seit dreißig Jahren ist Corralejo Kult in der Surferszene. Wundert mich nicht. Rundum sind die Bedingungen ideal. Wer nachts feiert und tagsüber auf den Wellen reitet, kriegt vom städtebaulichen Jammertal ohnehin wenig mit. Und vor der Haustür liegt der endlose Dünenstrand - Saharafeeling light all inclusive. Unbebaute Landschaft, so weit das Auge reicht - bis auf zwei monströse Hotelkästen einer mallorquinischen Hotelkette. Seit dreißig Jahren lässt die Naturparksatzung keinen Beton mehr zu. Und es wird sich sogar daran gehalten!

Der Parque Natural de Corralejo entschädigt für stereotype Wohnblocks und verfallende Hotelanlagen. Angefangen hat das urbane Desaster bereits 1950. Damals kauften belgische Investoren erste Grundstücke. Die bettelarmen Bauern und Fischer ließen sich nicht lange bitten. Doch erst 1969 ging es richtig los. Da baute RIU seine Kästen in den Dünensand vor den Toren der Stadt – die damals noch ein Dorf war. Sechs Jahre später wurde die Piste zur Inselhauptstadt asphaltiert. Von da an war der windige Nordzipfel den sonnenhungrigen Norddmännern und – frauen schutzlos ausgeliefert.

Die ersten Eroberer brauchten keine Straße. Jean de Béthencourt und Gadafier de la Salle betraten 1402 bei Ajuy den Boden der Insel – weshalb Touristen ihrerseits heute scharenweise den Boden von Ajuy betreten. Mehr als der Gedanke an die ängst verwehten Fußspuren kann diese Ansammlung weniger Hütten jedoch nicht bieten. Die Eroberer von heute schert das nicht. Wer aus einem engen Flugzeugkommt, muß sich halt bewegen – und wenn es nur die paar Meter zum Reisebus sind. Strom hat das Fischerdorf erst seit 1986. In Corralejo gingen die Lichter früher an – was nicht unbedingt ein Vorteil war. Zuvor war das Kaff wenigstens in der Dunkelheit der Nacht zu ertragen.

Die Guanchen mussten ohne Strom auskommen. Selbst Boote kannten sie nicht. Trotzdem hatten sie es irgendwie auf die Insel geschafft. Dort angekommen, vergasen sie offensichtlich, wie man Boote baut und lebten künftig jungsteinzeitlich. Da sie auch nicht auf dem Wasser gehen konnten – das ist in der gesamten Menschheitsgeschichte ohnehin nur einem gelungen – fischten sie von der Küste aus. Noch heute ist dies bei den Majoreros – wie sich die Insulaner nennen – schöne Sitte. Allerdings werden Papageienfische und Kollegen eine andere Meinung dazu haben.

In Ajuy wiederum zeigen die Nachfahren der Ureinwohner, dass sich Fische durchaus auch bequem vom Boot aus fangen lassen. In der Umgebung des Fischerdorfes lässt sich entspannt durch die Gegend laufen – sagt mein Wanderführer. Ich kann das nicht bestätigen, ich war nicht dort. Derselbe Wanderführer hätte mich wenige Tage nach meiner Ankunft beinahe in eine Schlucht weit vor Ajuy versenkt. Ohne Vorwarnung werde ich in die Tiefe des Barranco de los Molinos blicken, in und aus der einzig ein Steig führt. Steig! Nichts für mich. Weder mit noch ohne Gepäck. In dieser Beziehung bin ich eine Supermemme. Dummerweise hat die Insel beinahe so viele Barrancos wie Sand an ihren Stränden. Glück für mich, dass die meisten nicht so hässlich tief sind. Am Ende werde ich sie richtig liebgewonnen haben und Barrancotreten zum ultimativen Hobby küren – als entspannte Alternative zum Asphalttreten auf belebten Straßen. Mein Favorit – dies sei vorzeitig verraten – ist der Barranco del Torre an der Westküste. Obwohl als Wanderweg ausgeschildert, kann in der Schlucht über weite Strecken von Weg im wörtlichen Sinne keine Rede sein. Also Freunde: Stöcke, wassserwanderfähige Schuhe und leichtes Gepäck – ansonsten ist es schwer, durchzukommen. Aber es lohnt sich: das Rinnsal wächst sich zu einem kleinen See aus, dahinter malerisch vor den blauen Himmel drapiert eine Steilwand, um den See herum mehr Grün als auf dem Rest der Insel. Der Barrancowanderweg hat einen weiteren Vorteil: man kann sich nicht verlaufen, obwohl die Inselregierung mit Wegweisern geizt – was später auch Wolfgang bestätigen wird, dem ich in der Sandwüste bei El Pared nebst Gattin über den Weg laufen werde.

Auf Abwege komme ich dennoch. Jetzt beim Erzählen nämlich. Eigentlich wollte ich vorhin noch etwas zu Béthencourt sagen. Der Normanne war ein Stinkstiefel. Und das nicht nur, weil er keinen – jedenfalls nach heutigen ethischen Maßstäben – ordentlichen Beruf hatte. Er zockte seinen Partner Gadafir de la Salle ohne mit der Wimper zu zucken ab. Der nämlich hatte die ‚Expedition’ sowohl vorbereitet wie auch finanziert. Béthencourt machte sich schon bald nach der Landung vom Acker und überlies de la Salle die Drecksarbeit. Mehr als eine kurze Landpartie auf Fuerte war dem Herrn wohl zu stressig. Während sein Freund und Partner mit den Ureinwohnern kämpfte, weil die keine Lust hatten, ihre Insel mit Normannen und Spaniern zu teilen, schleimte sich Béthencourt durch die Hierarchie am kastilischen Königshof. So erreichte er, dass ihm die alleinigen Nutzungsrechte – wohl eher Ausbeutungsrechte – zugestanden wurden. Sein Partner beschwerte sich selbstverständlich. Formlos. Fristlos. Folgenlos. Verbittert verlies der den Archipel für immer. Das war vielleicht besser so. Wer weis, was ihm noch alles eingefallen wäre. Lange allerdings mussten die restlichen Kanaren nicht auf ihre 'Befreiung' warten. Dem zurückgebliebenen Béthencourt machte sein Coup auch keine Freude. 1406 übertrug er die Verwaltungsrechte an seinen Neffen. Der war noch fieser. Selbst das kastilische Königshaus konnte bald nicht mehr darüber hinweg sehen, dass er die Ureinwohner weit über die Grenzen dessenausbeutete, was damals als schicklich galt. Auch seine Nachfolger waren nicht besser. Verständlich, dass Tyrannenmorde damals groß in Mode kamen. Doch selbst als die Kanaren Provinz des 1469 gegründeten Spanischen Königreichs wurden, ging es den Majoreros kaum besser.

Heute exportieren sie Ziegenkäse und importieren Touristen. Seit vierzig Jahren geht das nun schon halbwegs gut. Gegenwärtig schießt die Importrate Sonnenhungriger steil nach oben. Ob das der Insel gut tut, sei an dieser Stelle dahingestellt - Inselregierung und Arbeitslose jubeln jedenfalls. Einen davon habe ich letztes Jahr auf dem Flughafen kennengelernt, als ich gerade dem Eyjafjallajökull entkommen war. Er wiederum war unterwegs Richtung  Balkan - in der Hoffnung, dass sie dort noch Rezeptionisten suchen. Bei Steigerungsraten von fast vierzig Prozent und vollen Hotels über Ostern wird er inzwischen wieder auf seiner Heimatinsel dauerlächeln dürfen.

 

 

 

Rund um Fuerteventura – ein Reisebericht in kommentierten Bildern

 

 

Fuerteventura von Lanzarote

 

Zehn Kilometer und - mit der schnellsten Fährverbindung - 12 Minuten trennen Corralejo von Playa Blanca auf Lanzarote.

 

 

 

Corralejo ist eine ständtebauliche Katastrophe. Ich machte, dass ich weg kam.

 

 

 
Dann lieber diese trostlose Einöde: Malpais de Bayu
yo, südwestlich von Corralejo. 

 

 

 

 Die Nordküste ist weitgehend unbebaut und unbewohnt. Einzige Siedlungen sind eine Residentensiedlung und das Fischerdorf Majanicho.

 

 

 

 

 Statt dessen gibt es Strände und Wellen satt.

 

 

 

Nach zwanzig Kilometern erreichte ich El Cotillo. Fast sehnte ich mich zurück nach Corralejo. Schöne Strände hats beidseits. Im Norden den Playa de Marfolin.

 

 

 

 Und im Süden den bei Surfern beliebten Playa del Castillo. 

 

 

 

Darüber wacht das Castillo de Rico Roque - das mit weitem Abstand hübscheste Gebäude von El Cotillo. Piraten hat es im Übrigen nie gesehen.

 


Auf Pisten und Pfaden wanderte ich an der fast menschenleeren Westküste entlang.

 

 

 

 Menschenleer - sag ich doch! 

 

 

 

 Dafür jede Menge Klippen.

 

 

 

 Wo sie etwas flacher ausfallen, hocken Angler drin.

 

 

 

 Wie die Ziegen sich hier durchschlagen, das ist mir schleierhaft.

 

 

 Eben!

 

 

Nach all der Ödnis tat der Strandspaziergang am menschenleeren Playa de Jarubio Kopf und Füßen gut. 

 

 

 

Bis zum Sonnenuntergang köchelte ich meine weltberühmte Outdoor-Paella.

   

 

 

Nach einer Abschiedsrunde verlies ich am nächsten Morgen den wunderschönen Strand nur ungern. 

 

 

 

Im Barranco de Jarubio hinter dem Strand stand noch Wasser. Vor meiner Ankunft hatte es wochenlang geschüttet.  

 

 

 

Während ich so vor mich hinlief, tat sich unerwartet die Erde vor mir auf. Der Barranco de los Molinos hat sich tief in die Ebene gegraben. Nur ein Steig führt hinab - und auf der anderen Seite hinauf. Nichts für mich. Ich lief an ihm entlang, fand aber keine Stelle zum halbwegs sicheren Abstig.

 

 

Barranco

 

Auch dieser hier noch flache Seitenarm wurde sehr bald zur gefährlichen Kletterpartie. Ich trat den Rückzug an und gab die Westküste vorerst auf. Es wäre ohnehin nicht besonders intelligent gewesen, durch diesen weitgehend menschenleeren Landstrich alleine zu ziehen. 

 

 

 

Von der landwirtschaftlichen Siedlung 'Las Parcelas Colonia Rural Garcia Escámez' lief ich nach Tefía. 

 

 

 

Inseltypisch ist diese restaurierte Mühle vor Tefía.  

 

 

 

Blick zurück von Llanos de la Conception Richtung Tefia.

 

 

Eremita in Llanos de la Conception.


 

Blick zurück auf Llanos de la Conception. 

   

 

 

Hinter diesem Berg baute der fiese Eroberer seine Hauptstadt. Damit auch jeder mitbekommt, dass es seine ist, nannte er sie Betancuria.  Mich hat er damit vom Besuch abgehalten. Was solls. Fuerteventura ist reich an ehemaligen Inselhauptstädten. Eine lag bequem erreichbar vor mir unten im Tal: Antigua.

 

 

 

Auch Antigua hat noch historische Bausubstanz zu bieten: Biblioteca Municipal. 

 

 

 

Blick zurück Richtung Tiscamaneta. Der ausgeschilderte Wanderweg folgt der alten Verbindung nach Tuineje. 

 

 

 

Dieser Stausee hinter Tuineje ist Vogelschutzgebiet. Andere dienen ausschließlich der Landwirtschaft.

 

 

 

Gran Tarajal, der ausgediente Tomatenhafen, hat noch nicht viele Touristen gesehen. 

 

 

 

Die andere Seite der Bucht.

 

 

 

Durch den Barranco de las Carreles lief  ich nach Tarajalejo

 

 

 

La Lajita.  

 

 

 

Küstenwanderung von der Costa Calma nach Morro Jable und zurück.  

 

 

 

Surfer am berühmten Playa de Sotavento. 

 

Sotavento

 

Lagune am Playa de Sotavento.

   

 

 

El Pared.

 

 

 

Westküste nördlich von El Pared.

 

 

 

Westküste südlich von El Pared.

 

 

 Oberhalb von El Pared traf ich Wolfgang mit Gattin. Seit Tagen hatte ich nicht mehr so viel geredet. 

 

 

 

Am Playa de Giniginamar gab es kein Trinkwasser.

 

 

 

Im Eilmarsch lief ich daher nach Gran Tarajal. Leider war die Stranddisco geöffnet. Von Nachtruhe keine Spur. 

 

 

Im Parque Natural de Pozo Negro mußte ich Asphalt treten.  

 

 

Parque Natural de Pozo Negro. 

 

 

Pozo Negro. 

 

 

Casas de El Cortijo und Inselmitte.

   

 

 

Von den Casas de El Cortijo und Inselmitte zur Ostküste.

  

 

 

Wassertreten im Barranco del Torre.

 

 

Nochmal Wassertreten im Barranco del Torre.


 

 

Freilichtmuseum in Casas de las Salinas. 

 

 

 

Die begegneten mir vor Caleta del Fuste. 

 

 

 

Playa de Matoral kurz vor dem Flughafen. 

 

 

 

Stadtstrand von Puerto del Rosario, der Inselhauptstadt. 

 

Corralejo

 

Zurück im Surferparadies Corralejo.